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TA: „Hüpstedter Bier gibt’s ab September“

Hüpstedt (Unstrut-Hainich-Kreis). Mit der „Michels Eichsfelder Braumanufaktur“ verwirklicht ein 27-Jähriger einen Lebenstraum und knüpft an alte Traditionen an. Bis weit ins Mittelalter reicht die Brautradition in Hüpstedt zurück, als die Herren vom Hagen über eine Braugerechtigkeit verfügten. Dass einst mit dem Gerstensaft auch über die Dorfgrenzen hinaus gehandelt worden sein muss, geht aus der Sage „Das wunderbare Bierfass von Menteroda“ hervor, weiß Ortschronist Edgar Rademacher. Denn jener Wirt aus dem Nachbarort soll damals das Bier in Hüpstedt geholt haben.

In „Michels Eichsfelder Braumanufaktur“ möchte Michael Burkhardt demnächst an die historische Tradition des Bierbrauens in seinem Heimatdorf anknüpfen und im wahrsten Sinne des Wortes aufschäumen lassen.

In Hamburg hat er zunächst das Handwerk des Brauers und Mälzers erlernt. Und vor drei Jahren schloss der Eichsfelder in Freising-Weihenstephan an der TU München sein Studium zum Diplom-Braumeister ab. Gleichzeitig erweiterte Michael Burkhardt seine praktischen Erfahrungen aus anderen deutschen Brauereien in der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan als ältester noch bestehender Brauerei der Welt.

„Kaiser“-Wirt stellt die Räume zur Verfügung

Nun sieht der 28-Jährige quasi die Zeit reif für eine eigene kleine Brauerei. Mit Benno Weilandt, dem Inhaber der Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“ in Hüpstedt, habe er schon immer einmal darüber gefeixt und mit solch einem Gedanken gespielt. Schließlich habe er den Gastwirt von dem ehrgeizigen Vorhaben begeistern können und bekam auf dessen Anwesen die nötigen Räume bereitgestellt. So wird seit Wochen im einstigen Schlachthaus und in Kellerräumen des „Kaisers“ fleißig gewirbelt. Während Michael in einer Gothaer Brauerei seinem Job nachgeht, sorgen zu Hause sein Vater und der Opa mit dafür, dass die baulichen Dinge vorwärts gehen. Auch die ersten Bottiche und Anlagenteile sind bereits geliefert, freut sich der sympathische Jungunternehmer auf seine kleine Handwerksbrauerei im Nebenjob und die Verwirklichung eines Lebenstraums.

Natürlich sei er sich auch gewisser Risiken bewusst, doch er verfolge die Entwicklungen und Tendenzen der Branche ganz intensiv und sehe durchaus gute Chancen. Auch wenn der Bierkonsum pro Kopf in Deutschland weiter rückläufig sei, kämen immer wieder neue kleine Brauereien hinzu, so Michael Burkhardt. Diese stünden keineswegs in Konkurrenz zu den großen. Und: „Mit einer kleinen Anlage kann man kleine Chargen herstellen und an wunderbaren Geschmacksvariationen tüfteln.“ Denn mit dem Reinheitsgebot könne man sehr flexibel arbeiten und extrem experimentieren, ist der junge Experte überzeugt. Pro Sud kämen aus seiner künftigen Manufaktur dann drei Hektoliter naturbelassenes, unfiltriertes Bier. „In der jetzigen Zeit, wo der Verbraucher zunehmend auf Regionalität achtet, sehe ich in diesem Bier eine Nische.“

Opa war einst Direktor der Thuringia-Brauerei

In seinem Vorhaben sieht sich Michael Burkhardt auch deshalb bestärkt, weil es im ganzen Eichsfeld und auch in der Region Mühlhausen bislang noch keine derartige Hausbrauerei gebe. Voraussichtlich im September soll in Hüpstedt das erste Bier aus „Michels Eichsfelder Braumanufaktur“ ausgeschenkt und auch in Flaschen ausgeliefert werden. Daran hätte auch sein Opa Gerhard Burkhardt, der einstige Direktor der Thuringia-Brauerei Mühlhausen, wohl seine helle Freude. „Er hat mir bei der Berufswahl ins Gewissen geredet, dass ich nicht Koch, sondern Brauer wurde.“ Auch der Uropa sei schon Brauer in Mühlhausen gewesen. Und für die seit 1875 bestehende Gaststätte „Zum Deutschen Kaiser“ wird das Hausbier auf jeden Fall eine Premiere.

TA Artikel

Reiner Schmalzl / 08.06.13 / TA | Link: TA Online

01Sep
2013

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